Bewegungsgeschichte(n): Vattenfall-Blockade am 15.3.2016

Heute vor 10 Jahren haben wir mit JunepA (Junges Netzwerk für politische Aktionen) das Vattenfall-Kund*innenzentrum in Berlin Mitte blockiert. Im Verhältnis von Aktivist*innen und Aktionsorten gibt es (mindestens) 3 Strategien:

1.) NUTZEN: Aktivist*innen können die Orte als Bühne für ihren Protest nutzen – zum Beispiel bei einer Kletteraktion an der Elbphilharmonie oder bei einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor. Die Orte haben dann nicht direkt etwas mit dem Aktionsziel zu tun, sondern dienen als Hintergrund, vor dem die Aktion Wirkung entfalten kann.

2. ) MARKIEREN: Aktivist*innen können Orte markieren, an denen Verursacher*innen von Unrecht sitzen. Diese Strategie ist besonders wichtig, wenn die Orte ansonsten unsichtbar oder unerkannt geblieben wären – zum Beispiel bei einer Aktion in einem Tesla-Showroom oder wenn an einer Rheinmetall-Fabrik „War starts here“-Schriftzüge auftauchen.

3.) EINGREIFEN: Aktivist*innen können direkt an die Unrechtsorte gehen und dort in die Prozesse der Zerstörung oder Ausbeutung eingreifen – zum Beispiel bei einer Kohlebaggerbesetzung oder einer Atommüllblockade. Hierbei ist die Aktion nicht mehr symbolisch, sondern hat einen direkten verzögernden oder unterbrechenden Charakter.

Unsere Vattenfall-Blockade wirkt vielleicht auf den ersten Blick wie eine eingreifende Aktion. Allerdings konnten Kund*innen – trotz unserer Blockade am Eingang – nach wie vor das Besucher*innenzentrum betreten. Uns ging es viel mehr darum, den Ort durch unsere Aktion zu markieren und deutlich zu machen, welche Rolle Vattenfall in der Klimakrise spielt.

———-

✊ In unregelmäßigen Abständen teile ich hier Bewegungsgeschichte(n). Darin werfe ich an Jahrestagen einen Blick auf wichtige Protestereignisse in den letzten 20 Jahren, von denen ich mir wünsche, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Als Aktivistin und Protestforscherin erzähle ich persönliche Anekdoten und teile sozialwissenschaftliche Analysen – denn ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Sozialen Bewegungen sowohl aus unseren Erfolgen als auch aus unserem Scheitern lernen können.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Clara Tempel

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen